Ein chinesisches Online Märchen – ALIBABA und die 1,3 Milliarden möglichen Kunden

An die Börse in den USA will der chinesische Online-Händler Alibaba. Da der Internet-Handel in China einen anderen Stellenwert hat als im Westen, macht der Internet-Gigant mehr Umsatz als Amazon und Ebay zusammen. Der Online-Händler Alibaba könnte laut Analysten sogar Facebook an der Börse überholen.

Der Aufstieg

Es klingt wie ein Märchen, der Aufstieg von Alibaba: Vor 16 Jahren gegründet, werden nun 80 Prozent kontrolliert durch den chinesischen Online-Handel. Anders ausgedrückt: Über den Internetkonzern aus Hangzhou werden heute zwei Prozent des chinesischen Bruttoinlandproduktes verschoben.

Der Online-Händler Alibaba betreibt verschiedene Web-Seiten, die vor allem dem Online-Handel dienen. Der chinesische Konzern wird oft als eine Kombination aus Amazon, Ebay und PayPal beschrieben: Firmen können über Alibabas Web-Seiten untereinander handeln oder ihre Produkte an Endverbraucher verkaufen. Zudem können Nutzer Geld überweisen.

Vor allem auch den Besonderheiten des chinesischen Detailhandels hat der Konzern das enorme Wachstum zu verdanken.

David Wei, Spezialist für Online-Handel und ehemaliger Top-Manager von Alibaba, sagte in einer Sendung auf CNN: «Der Detailhandel in China ist unterentwickelt» Er illustrierte mit einem Beispiel, wie der Vertrieb in China heute funktioniert. Als der Konsumgüter-Konzern Proctor und Gamble einen sehr teuren Rasierapparat auf den chinesischen Markt bringen wollte, riet ihm Wei, das Gerät über einen der Alibaba Online-Shops zu vertreiben.

Die Verkaufszahlen für den teuren Rasierapparat aus dem Online-Handel sprechen Bände. Das Gerät verkaufte sich in den abgelegenen Provinzen viel besser, als in den Mega-Cities Shanghai oder Beijing . Der Grund : In den Millionenstädten dieser Provinzen leben auch heute kaufkräftige Konsumenten.

Es fehlt jedoch an Vertriebskanälen. Produzenten und Konsumenten weichen auf den Online-Handel aus, statt in die Vertriebsinfrastruktur zu investieren. Wie sagt: «Der Einkauf über Online-Plattformen wie Alibaba wird in China zum Standard, das Einkaufen im Laden zur Nische».

Jack Ma (vom Tellerwäscher zum Milliardär)

Er ist Gründer von Alibaba und einer der reichsten Chinesen. Hinter dem sagenhaften Aufstieg von Alibaba steckt der Gründer Jack Ma. Er gehört heute mit einem geschätzten Vermögen von 11 Milliarden Dollar zu den reichsten Männern Chinas.

Dieser Erfolg war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Mas Eltern waren Bänkelsänger, die sich ihren Lebensunterhalt mit der Darbietung traditioneller Lieder verdienten. Jack Ma hat sich im Alter von 12 Jahren selbst die englische Sprache angeeignet , damit er als Touristenführer in Hangzhou Geld verdienen konnte. Nach einer Ausbildung zum Englischlehrer bot sich ihm 1995 die Gelegenheit, in den USA als Dolmetscher zu arbeiten. Im Alter von 31 Jahren, während dieses Aufenthaltes, sah Jack Ma zum ersten Mal einen Computer.

Er begann, Internet-Seiten für Firmen zu gestalten. Er startete mit dem ersten, eigenen Web-Shop im Jahr 1998, mit «Alibaba Online», mit dem die märchenhafte Geschichte ihren Anfang nahm.

Sesam öffne Dich oder Der IPO Geldsegen

Vor dem Börsengang wird über den aktuellen Wert des chinesischen Giganten wild spekuliert: Von vorsichtigen 55 Milliarden Dollar bis optimistischen 120 Milliarden Dollar.

Klar ist: Der Börsengang Alibabas ist der grösste, seit Facebook vor zwei Jahren zu einer Aktiengesellschaft wurde. 16 Milliarden Dollar hatte das soziale Netzwerk mit dem Aktienverkauf eingenommen und war damit rund 70 Milliarden Dollar wert.

Nicht nur bei den chinesischen Besitzern, sondern bei Alibaba dürfte das die Hoffnung schüren. Die amerikanische Internet-Firma Yahoo ist mit 24 Prozent an Alibaba beteiligt, das japanische Telekom- und Internetunternehmen SoftBank sogar mit 38 Prozent. Glaubt man den Optimisten, so hat Alibaba gute Chancen, Facebook bei den Einnahmen an der Börse noch zu übertrumpfen.